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Bayreuth 957 inscriptions (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-382
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-382: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-382

Name

Menachem ben Schmuel (Emanuel Osmund) [24.10.1842]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״ש‏‎ Hier ruht
‎‏איש חכם מלא דעת ויראת ה׳ אמת וחסד בלבו‏‎ ein weiser Mann, voller Erkenntnis und den Ewigen ehrfürchtend, Milde und Wahrheit in seinem Herzen,
‎‏צדק ואמונה דרכו ה״ה הנחמד הר״ר מנחם בר שמואל‏‎ Gerechtigkeit und Treue sein Weg; es ist der Liebenswerte, der Meister, Herr Menachem, Sohn des Schmuel,
‎‏המכונה בשם‏‎ genannt
Emanuel Osmund 5
‎‏אשר מת יום ב׳ כ׳ חשון תר״ג‏‎ welcher starb Tag 2, 20. Cheschvan 603.
‎‏אל תבכו למת כי בא שלום ינוח על משכבו‏‎ Weinet nicht um diesen Toten, ›denn er ging ein zum Frieden, ruht auf seinem Lager‹,
‎‏בכו בכה לסכל כי יחיה חיי רעים‏‎ weinet um den Toren, denn sein Leben ist ein übles Leben.
‎‏כזאת צוה פיך להכתב על מצבתך‏‎ Dies, so der Befehl aus deinem Munde, soll geschrieben werden auf dein Grabmal.
‎‏אף אמנם אבן הזאת בל תגיד מעשיך‏‎ 10 Wenn auch dieser Stein deine Taten nicht verkündet,
‎‏כי בלחות לבב אנשים חקות זכרך‏‎ so ist doch in die Herzenstafeln der Menschen dein Andenken eingraviert.
‎‏הם יספרו כי שבחך רב מהגדילו‏‎ Sie erzählen von deinem übergroßen Lob,
‎‏לכן לחשות טוב והיא לך תהלה‏‎ darum ist Schweigen gut, es gereiche dir zum Ruhme.
‎‏נתצב״ה‏‎ Es sei seine Seele eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 7: Jes 57,2

Kommentar

Datierung Gestorben Montag, 24.10.1842
Schlicht, ohne unnötigen Zierrat, besticht dieser Grabstein durch die ausgewogene graphische Gestaltung der langen Grabinschrift. Sie zeugt von Emanuel Osmunds Bescheidenheit: Er hatte sich schon zu Lebzeiten jede Eulogie verbeten und einen passenden Grabspruch selbst gewählt - nicht um ihn solle man trauern, sondern um die Toren, die ihr Leben in Unwissenheit vergeuden. Doch wie so oft fanden auch hier die Hinterbliebenen einen Weg, die Verdienste dieses Mannes, dem man dank seiner (religiösen) Bildung den Ehrentitel "Meister" verliehen hatte, durch eine siebenzeilige Eulogie indirekt zu würdigen.

Beschreibung

Zustand Verwitterung mittel

Zur Person

Emanuel, auch Emanuel Samuel, wurde am 6. Juni 1766 in Altenkunstadt geboren als Sohn des Händlers Samuel Enzel aus Uhlfeld und der Rösel. Schon 1796 führte er seinen eigenen Haushalt, lebte beim Schuhmacher Hering zur Miete und handelte "mit schneidenden Waaren". Im Jahr 1799 erhielt er eigenständigen Schutz in Bayreuth, wo er "Haus u. Güter" erwarb sowie ein geschätztes Vermögen von 60.000 Gulden besaß und "Wechselgeschäfte" betrieb. 1814 nahm er den Familiennamen Osmund an. Am 26. November 1816 heiratete er die 1790 in Fürth geborene "ledige Jungfer" Flora Blümle, Tochter des Gabriel Hirsch Benda aus Galizien. 1817 wurde seine Tochter Therese Rösel geboren, 1818 der Sohn Benno Bendit, 1820 Henriette, die jedoch schon nach wenigen Monaten starb. 1821 kam Ida Jettel zur Welt, die den nach Mainz und später nach Berlin verzogenen Reformrabbiner Dr. Joseph Aub heiratete, und 1823 Adelgunde Rachel Chaja, die als Kind starb. 1826 wurde Samuel Leopold geboren. Der Kaufmann, Bankier und Güterhändler Emanuel Osmund starb im Alter von 77 Jahren an "Schlagfluß infolge des Marasmus".
Emanuel Osmund, der 1792 von betrunkenen antisemitischen Offizieren schwer misshandelt wurde und seitdem schwerhörig war, lernte 1793 den Dichter Jean Paul kennen und freundete sich mit ihm an, wovon eine Vielzahl von Briefen zeugt. Auch sein Familienname Osmund, den er 1813 annahm, ging auf einen Vorschlag Jean Pauls zurück. Emanuel Osmund war auch mit anderen bedeutenden Zeitgenossen persönlich bekannt, so Johann Gottfried Herder, Paul Emil Thieriot und Karl August Freiherr von Wangenheim. Er besaß ein Ökonomiegut in Weiler bei Hollfeld sowie Schloß Freienfels in der Fränkischen Schweiz.

Zur Familie

Vater: Samuel Enzel (Grabstein Nr. bay-0376)
Mutter: Rösle, Tochter von Mendel SeGaL (Grabstein Nr. bay-0375)
Töchter: Henriette Osmund (Grabstein Nr. bay-0038); Adelgunde Osmund (Grabstein Nr. bay-0042)
Sohn: Benno Osmund (Grabstein Nr. bay-0628)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 382: Emanuel ­Osmund · 1842 Stadtarchiv Bayreuth, 2733: Namensveränderung und Immatrikulation der Juden (18.08.1814), Nr. 9: "Emanuel, - nun Emanuel Osmund".
Christine Bartholomäus: "Von Emanuel Osmund bis Hilde Marx. Biografische Skizzen zu ausgewählten jüdischen Persönlichkeiten aus Bayreuth", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 105-118, hier S. 105f.

Fotografien

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Bert Sommer

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-382
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-382
(last modified - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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