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Frankfurt am Main, Battonnstraße 3875 Inschriften (1272-1828)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID ffb-55
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Frankfurt am Main, Battonnstraße, ffb-55: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?ffb-55

Name


Joswel ben Schlomo Schuh [02.08.1774]                

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏האלוף והקצ[ין הישיש כמר] יוזבל בן הו״ה המנוח‏‎ Der Vornehme und der Einflußreiche, der Greis, der geehrte Herr Joswel, Sohn des Teuren und Erhabenen, des Seligen,
‎‏כמר שלמה שוך ז״[ל נפטר] באשמורת הבוקר יום ג׳‏‎ des geehrten Herrn Schlomo Schuh, sein Andenken zum Segen, verschieden in der Morgenwache des Tages 3
‎‏צור פאדר שוך ‏‎ - Zum Vorder Schuh -
‎‏ונקבר בו ביום כ״ה מנחם תקל״ד לפ״ק‏‎ und begraben an eben jenem Tag, 25. Menachem 534 der kleinen Zählung.
‎‏פה טמון וגנוז איש ישר ונאמן אשר מנעורי[ו]‏‎ 5 Hier ist geborgen und verwahrt ein aufrechter und getreuer Mann, der von Jugend an
‎‏היה ירא את בוראו והלך בדרך טובים עד‏‎ seinen Schöpfer ehrfürchtete und den Weg der Guten ging; bis
‎‏זקנה ועד שיבה לא מנע את עצמו מלהיות‏‎ ins Alter, ja bis ins Greisenalter enthielt er sich nicht, unter
‎‏מעשרה ראשוני׳ והי׳ חד ממקדמי וממחשכי‏‎ den zehn Ersten zu sein und er war einer derer, die frühmorgens und abends
‎‏לבי כנישתא להתפלל תפלתו בכוונה לאל‏‎ in die Synagoge (gehen), um sein Gebet in Andacht zu beten zu Gott,
‎‏שוכן מעונים ומשאו ומתנו היה באומן‏‎ 10 der in den Wohnstätten weilt, und sein Handeln und Wandeln war in treuester
‎‏[אמונים גמל(?)] חסד(?) ליתן ל...‏‎ Treue, er erwies? Liebeswerke? und gab ...
‎‏... בשכר זה תנצב״ה‏‎ ... Zum Lohn dessen sei seine Seele eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Gestorben, Dienstag, 02.08.1774 ; begraben: 0 T.
Die Eulogie für Joswel ist im wesentlichen in Prosa verfaßt und (ausnahmsweise) ausführlicher als der Eintrag im Memorbuch. Als er starb, muß er mindestens 70 Jahre alt gewesen sein (s. Av 5,21). Seine Inschrift hebt hervor, daß er auch noch in hohem Alter, als ihm dies gewiß nicht mehr leicht fiel, täglich die Synagoge aufsuchte.
Der Zeitpunkt des Todes wird in der Eulogie, im sk und im MF mit je unterschiedlichen Ausdrücken beschrieben. In der Eulogie heißt es ‎‏באשמורת הבוקר‏‎, in der Wache des Morgens, im sefer kawranim ‎‏בעלות הבוקר‏‎ beim Aufstieg des Morgens, und im Memorbuch mit dem passenden Chronostichon für 534, dem Todesjahr ‎‏כאור הבקר‏‎ 'wie das Licht des Morgens
Memorbucheintrag (S. 492, Nr. 1): ‎‏יזכור אלקים את נשמת הישיש כ׳ יוזבל בן המנוח כ׳ שלמה שוך ז״ל עם נשמת אי״ו שרר״ו עבור שהי׳ אחד ממקדמי וממחשכי לבי כנישתא והי׳ נושא ונותן באמונים והי׳ איש ישר מנעוריו גם נתנו יורשיו בעבורו א״ך זהו׳ לצדקה מלבד שארי נדבות. בשכר זה תעלה נשמתו למעלה תנצב״ה עם נשמת אי״ו שרר״ו ושארי צדיקים וצדקניות שבג״ע א״ס. נפטר כ׳א׳ו׳ר׳ ה׳ב׳ק׳ר׳ לפרטינו יום ג׳ כ״ה מנחם תקל״ד לפ״ק ונקרא בפי כל יוזבל שוך ז״ל צום פארדר שוך‏‎
Zln 1/2: Ergänzt nach einer Fotografie von 1916.
Zl 2: Schuh ist ist wie im Altjiddischen (etwa: schuch) geschrieben. "Morgenwache", s. Ex 14,24.
Zl 3: Zum Vorder Schuh, geschrieben ‎‏צור פאדר שוך‏‎ (etwa: zur fodr schuch); im MF hingegen ‎‏צום פארדר שוך‏‎ (etwa: zum forder schuch). Gemeint ist das Vorderhaus zum Schuh, auch genannt: Zum Vorderschuh.
Zl 4: Menachem, Tröster, euphemischer Name für den Trauermonat Aw.
Zln /6a: Vgl. 1 Kön 18,12.
Zl 6: "Ehrfürchteten": eine von Klopstock eingeführte Form.
Zl 6b: Vgl. Spr 2,20.
Zl 7a: Zu 'Alter' und 'Greisenalter' vgl. Ps 71,18 und Av 5,21: ‎‏בן ששים לזקנה‏‎ mit sechzig Jahren alt zum Alter, ‎‏בן שבעים לשיבה‏‎ mit siebzig Jahren zum Greisenalter.
Zl 8a: Die Zehnzahl bildet das Quorum von erwachsenen Männern, das erforderlich ist, um den Gottesdienst zu halten. Joswel war bis ins hohe Alter "unter den zehn Ersten" in der Synagoge, was als ein besonderes Lob zu verstehen ist.
Zl 8b/9a: Vgl. 1 Sam 17,16 und die Auslegung dazu in bSot 42b; vgl. auch bSan 111b u.". Hier aramäisch.
Zl 9b: Vgl. bBer 31a und jBer 8a.
Zl 10a: ‎‏שוכן מעונים‏‎ ist eine aus Dtn 33,27 abgeleitete liturgische Gottesprädikation, die u.a. am Ende der Pessach-Haggada zu finden ist. ‎‏מעונה‏‎ Wohnstatt, ist der fünfte der sieben Himmel (vgl. bHag 12b).
Zl 10b/11: Vgl. bShab 31a.
Zl 11: Ergänzung nicht ganz sicher.
Zl 1: ‎‏יוזבל‏‎ (etwa: josbl, joswl), hier wiedergegeben als Joswel.
Abkürzung Nicht mehr erkennbar.

Stilmittel

Reim auf -nim in Zln 8 und 10/11.

Beschreibung

Maße 126 x 86 x 17 cm.
Beschreibung Hochrechteckige Stele mit scharriertem Rahmen; in der linken Ecke volutenartige Verzierung im Relief; das Schriftfeld schließt mit einem eingezogenen Rundbogen, im Halbrund ein Schuh in Seitenansicht.
Hauszeichen Schuh
Zustand Die rechte Ecke und der mittlere Teil beider Bogenzeilen fehlen. Zln 11/12 sind stark verwittert.

Zur Person

Joswel (Dietz: Josef Salomon Schuch zum Schuh) heiratete um 1728 und wohnte im Vorderhaus zum Schuh. 1560 erbaut, hatte das Haus Schuh vier Wohnungen im Vorderhaus und eine im Hinterhaus.
Mit dem Tod von Joswel starb dieser Zweig der Familie aus (Dietz). Joswels Sohn Schlomo war drei Jahre vor seinem Vater und wiederum dessen einziger Sohn Süskind schon 1761 gestorben. Joswels einziger Bruder Mosche war 1760 gestorben, ohne Nachkommen zu hinterlassen.
Laut sk wurde Joswel in der Mitte des Friedhofs begraben; links vom Kopf des Verstorbenen, einige Schuh entfernt, das Grabmal seiner Schwester Bejle G. Meir Lechenich (Ho 4512, HoSt 4096, ET 17.VI.1725).

Zur Familie

Vater: Schlomo Schuh (Ho 1767, ET 1.II.1721).
Mutter: Schönchen T. Mosche Rothschild (Ho 2513, ET 2.VIII.1744).
Gattin: Bejle T. Herz Deutz (nicht bei Ho, ET 25.II.1766).
Kind: Schlomo (Ho 5792/ohne Datum, ET 17.VII.1771).
Schwiegertochter: Breinche G. Schlomo Schuh T. Süskind Leidesdorf (Nr. ffb-0052, Ho 4183, ET 11.VII.1795).

Quellen / Sekundärliteratur

sk, 40/3, Nr. 50.
MF, S. 492, Nr. 1.
Historisches Archiv der Stadt Frankfurt, 1916/HM II/2.
ET 2.VIII.1774.
Dietz, S. 270 und S. 472 (zum Haus).
NoHo
Der alte jüdische Friedhof zu Frankfurt am Main. Unbekannte Denkmäler und Inschriften. Hrsg. im Auftrag des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main, Dezernat für Kultur und Freizeit, von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden. Von Michael Brocke unter Mitwirkung von Dan Bondy, Andreas Hemstege, Heidrun Hermann, Christiane E. Müller, Aubrey Pomerance und Regina Schorzmann, Jan Thorbecke Verlag 1996, S. 327-330 (English translation p. 436-437).

Fotografien

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Andreas Hemstege

heutiges Foto
1991-1996
recto
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Frankfurt am Main, Battonnstraße, ffb-55
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=ffb-55
(letzte Änderungen - 2015-03-07 06:58)

 

Steinheim-Institut
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