Aus Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen

Vorläufig gelesen: Neue Mainzer Grabsteinfunde


Foto: mainzund.de

November 2020, eine fast abgeschlossene Grabung, ein Stück Mauer: "Der Mauerrest aber hatte es in sich, in ihm verbaut: große Steine, besonders zugehauen. Den Archäologen wurde schnell klar: Das hier war etwas Besonderes. Von Hand musste die Mauer demontiert werden, Stück um Stück kamen dabei wertvolle Zeugnisse zutage: 18 Grabsteine unterschiedlicher Größe, beschriftet mit hebräischen Buchstaben." (Gisela Kirschstein: ➜Mainz& exklusiv: Sechs jüdische Grabsteine aus Mainz entziffert – Ältester Grabstein von 1192 erinnert an drei Ermordete)

Update: Die Inschriften der Funde nun in der Datenbank epidat

mz1-202001 Adolheit, Tochter des Hillel, 1328-10-16 // 12. Heshvan 5089, ein Sonntag http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1-202001&lang=de&release=beta

mz1-202002 Mordechai, Sohn des Elasar, 1401-01-23 // 9. Shevat 5161, ein Sonntag http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1-202002&lang=de&release=beta

mz1-202003 der Knabe Schlomo, Sohn des Elasar, 1405-11-22 // 1. Tevet 5166, ein Sonntag http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1-202003&lang=de&release=beta

mz1-202004 Brunlin, Tochter des Mosche, 1316-01-16 // 21. Shebat 5076, ein Freitag http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1-202004&lang=de&release=beta

mz1-202005 Mosche, Sohn des Kalonymos und Bellette und Kalonymos, Sohn des Mosche, 1192 http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1-202005&lang=de&release=beta

mz1-202006 Zippora, Tochter des Awraham // 1432 // 5193 http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1-202006&lang=de&release=beta

Mainzer Grabsteinfunde

Einige der 18 in Mainz im November 2020 entdeckten Grabsteine aus dem 14. und frühen 15. Jahrhundert wurden soeben durch die Medien öffentlich bekannt gemacht. Sie sind tw. lesbar, die Inschriften relativ gut erhalten, da sie nach wenigen Jahrzehnten in Funktion auf dem Friedhof geraubt und verbaut wurden, ähnlich den Würzburger Steinen, die ein Nonnenkloster nutzte.

Hier finden Sie diese Steine vorläufig gelesen und übersetzt, (nicht alles ist ganz gesichert, da die Fotos nicht für diesen Zweck geeignet sind), daher hier unter dem Vorbehalt wissenschaftlicher Edition veröffentlicht.

Das S. L. Steinheim-Institut ist mit der Edition der mittelalterlichen Grabmale der SchUM-Städte betraut, seitens der Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz und des Altertumsvereins der Stadt Worms. Wir freuen uns auf professionelle Fotos zwecks exakter wissenschaftlicher Erarbeitung, zu der wir uns verpflichtet wissen (siehe epidat zu Mainz , Worms und Speyer ) und bedanken uns bei Gisela Kirschstein (mainz&), die uns erste Fotos zur Verfügung gestellt hat.


צור / העולמים קבל ברחמים /

נשמת מרת ברונלין / הגונה בת ה' ח'ר' משה / שנפטרה כ'ה בשבט [יום ?]

שנת ע' [?ו] לאלף / הששי מ'ג'ע' / א סלה

Fels der Ewigkeit, nimm auf in Barmherzigkeit die Seele der Frau Brunlin, der ehrenwerten, Tochter des torakundigen Herrn Mosche, die verschied (am) 25. im Sch'wat des Jahres 7(6?) des sechsten Jahrtausends - Ihre Ruhe sei der Garten Eden, Amen Selah

1316 (?)


זאת מצבת / קבורת מרת / אדלהיט בת ר' /הילל שנפ 'מר' / יום א' שנת פ'ט לפ[רט] /... ששי מ'ב' ע [גּ] / אמן סלה

Dies ist die Stele des Begräbnisses der Frau Adelheit, Tochter des Herrn (H)illel, die verschied am 12. Mar(cheschwan), Tag 1, des Jahres 89 der Zählung des Sechsten ... Ihre Ruhe sei Eden (der Garten?) Amen Selah

1328


זאת האבן / אשר שמתי מצבה / לראש ה'ח'ר' מרדכי / ב'ר' אלעזר שנפטר / ונקבר ביום א' ט' שבט / קס'א'ל תנצב'ה / אמן סלה

Dies (ist) der Stein, welchen ich als Stele setzte zu Häupten des torakundigen Herrn Mordechai Sohn des Herrn El'asar, der verschied und begraben wurde am Tage 1, 9. Sch'wat 161 der (Zählung). Seine Seele sei aufbewahrt im Bündel des Lebens. Amen Selah

1401


/ זאת / המצבה הוקמ' / לראש הנע' שלמה / בר' אלעזר הנקבר ביום / א'מקץ שנת קס'ו / לאלף ששי

Diese Stele wurde aufgerichtet zu Häupten des Knaben Schlomo, Sohn des Herrn El'asar, der begraben wurde am Tag 1, [paraschat] 'Mi-ketz' des Jahres 166 des sechsten Jahrtausends

22. November 1405 (Perikope Mi-ketz: Genesis 41,1 - 44,17)

27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus


... Vor uns die Strasse – daneben die Bahnlinie –
ich fing an zu rennen – ich rannte und rannte und
rannte den kanadischen Panzern entgegen – Wir
waren frei. Waren wir es wirklich?

»Schattenbilder«, von Marianne Weinberg – online in Kalonymos lesen: PDF

Steinheim-Institut

Das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen erforscht Geschichte und Kultur der Juden im deutschen Sprachraum als deutsch-jüdische Geschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Über die Geistes- und Kulturwissenschaften hinaus liegt dabei ein Akzent auf digitalen Methoden, Digital Humanities und der Mitwirkung am Aufbau forschungsnaher Infrastrukturen (DARIAH-DE / CLARIAH-DE). mehr

Neuerscheinung: Kalonymos 3-4/2020

Beiträge u.a.:

Nathanja Hüttenmeister: Traditionsbewusst und modern aufgeschlossen -- Inschriftenstilistik auf dem jüdischen Friedhof Thalmässing (PDF).

Anna Samuel: Chanukka 1941 -- Anna Samuel schreibt an Else Schubert-Christaller (PDF).

Ortal-Paz Saar: PEACE – Ein Portal zur jüdischen Begräbniskultur (PDF).

Peter von der Osten-Sacken: Zwei gereimte jüdisch-deutsche Texte zur Heiligung des Sabbats (Teil II). Überliefert in Johannes Buxtorfs „Synagoga Ivdaica: Das ist/Jueden Schul“ (1603) (PDF).

Anna Martin: Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen (PDF).

R. Nachman ben Simcha: Vom Korn, das irre macht (PDF).

Neu erschienen: „Übersetzte Erinnerungen“

Erinnerungen an den Holocaust in Literatur, Film und anderen Medien sind Thema des Sammelbandes „Translated Memories: Transgeneral Literature on the Holocaust“, den Dr. Bettina Hofmann, Amerikanistin an der Bergischen Universität Wuppertal, gemeinsam mit Dr. Ursula Reuter, Leiterin der Germania Judaica (Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums), herausgegeben hat. Der Band versammelt Beiträge der gleichnamigen Tagung 2015 im Steinheim-Institut. (Tagungsbericht in Kalonymos 18.2015.2, S. 14, PDF)

Bettina Hofmann und Ursula Reuter (Hrsg.): Translated Memories: Transgenerational Perspectives on the Holocaust. Lexington Books; 406 Seiten; 189,95 Euro • Hardback $120.00 / £80.00 (ISBN 978-1-7936-0606-8) • eBook $114.00 / £75.00 (ISBN 978-1-7936-0607-5)

Jewish Cemeteries / Epigrafische Datenbank (epidat)

Die Datenbank zur jüdischen Grabsteinepigrafik epidat dient der Inventarisation, Dokumentation, Edition und Präsentation epigrafischer Bestände. Gegenwärtig sind 189 digitale Editionen mit 34.644 Grabmalen (66.168 Bilddateien) online zugänglich. Hier finden Sie Zugang zu unserer Datenbank epidat.

Online-Datenbanken und Ressourcen

Hier finden Sie Zugang zu unseren vielfältigen Online-Ressourcen.

Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft

Das 5-jährige Bestehen der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft wurde am 2. April 2019 am Sitz der JRF-Geschäftsstelle in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf gefeiert ... mehr

Videoclip Die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft im anschaulichen Überblick.

Jubiläumsschrift (PDF) „5 Jahre JRF!“

Jahresberichte der JRF 2015-2019 als PDFs (einschließlich Projektvorstellungen des Steinheim-Instituts)






Anmelden