BHR Biographisches Portal der Rabbiner

CHORIN, Aron

  • Geb. 3. Aug. 1766 in Hranice (Mährisch-Weißkirchen),
  • Gest. 24. August 1844 in Arad, Ostungarn
  • Sohn des Kleinhändlers Kalman Ch. und der Schöndel Donat aus Boskovice (Boskowitz), Mähren
  • 1780 mit den Eltern nach Deutschkreuz ins Burgenland, studiert den Talmud an der Jeschiwa von Rb. Jeremias in Mattersburg (Mattersdorf) und seit Frühjahr 1782 bei Ez. Landau in Prag, lernt aber auch deutsche und hebr. Grammatik, soll mit Sabbatianern in Kontakt gewesen sein. Mit 17 J. ordiniert, 26. Dez. 1783 in Deutschkreuz Heirat mit Rebekka (gest. 1837), arbeitet im Handelsberuf, auf Empfehlung von Moses Münz in Buda (Altofen) wird er 1789 Rb. in Arad. Tritt 1803 erstmals mit Reformmaßnahmen auf. Nimmt seit 1817 Partei für den Hamburger Tempel, distanziert sich aber 1819 auf Druck von Moses Münz. Erklärte sich mit den Beschlüssen der Rb.-Vers von 1844 solidarisch.

Dokumente

  • Stolyn-Karliner Yeshiva Jerusalem, ms. 420 Brief von Sam. Landau, 1798
  • Ebd., ms. 421 Brief vom Prager Rabbinatsgericht, 1799 [IMHM F 49264]
  • HUC Cincinnati, acc. 140, M. S. Ghirondi gegen ihn [IMHM F 45703].

Manuskripte

  • JTS New York, ms. 8905 Briefwechsel 1814-1829 [IMHM F 49419]
  • Ebd., ms. 5274 Gedichte [IMHM F 30071].

Publikationen

  • ’Imre No‘am [Prov. 16,24], Verteidigung des Entscheids von Ez. Landaus über den Verzehr des Störs, Prag 1789
  • Širyon Qašqaššim [1 Sam 17,5] Verteidigung des Stör-Gutachtens, Prag 1800
  • ‘Emäq ha-Šawäh [Gen 14,17], Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben, 1. Teil Ro’š ’Amanah [Cant 4,8] über Glaubensartikel, Prag 1803; dt. u. d. T. Hillel: Die sittlichen und religiösen Principien des Glaubens. Aus den Sprüchen Hillel’s entwickelt in deutscher Sprache, Ofen 1837
  • H. idah, Rätsel, in Wolf Buchner, S. ah. uth ha-Melis. ah, Berlin 1810
  • Qin’ath ha-’Ämäth Verteidigung der Kultusreform, in Schemtov b. Josef, Däräch ha-Qodäš, Dessau 1818
  • Davar be‘Itto [Prov 15,23]. Ueber einen modernen Gottesdienst hebr. mit dt. Übs. von Leib Herzfeld, Wien 1820
  • ’Iggäräth ’Äl’asaf [Neh 2,8] über die talmudische Zulässigkeit von Reformen, Prag 1826
  • ’Avaq Sofer Bemerkungen über den Šulh. an ‘Aruch u. a., Prag 1828
  • S. ir Nä’äman [Prov 25,13]. Der treue Bote, hebr./dt. über Glaubensartikel, Prag 1831
  • ŠUTh beDine ’Aveluth, Responsum zu den Trauerbräuchen, in Jos. Friedländer, Šoräš Yosef, II, 1835
  • Yäläd Zequnim [Gen 44,20]. Jeled Sekunim oder Kind des hohen Alters, herausgegeben bei Gelegenheit seines Rabbinatsjubilaeums, Autobiographie, hebr./dt., mit Einleitung von Leopold Löw, Wien 1839 (dazu LdO 1840, S. 26-30, 61-64, 73-76)
  • Briefe an I. S. Reggio und Leopold Löw in Käräm H. ämäd I, S. 27-47; II, S. 96
  • „Rechtsgutachten, den Gegenstand des Werkchens Aschru Chamoz betreffend“ (hebr.), LdO 1841, S. 541-544
  • Gutachten zugunsten Abr. Geigers, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. I, 1842, S. 16-37; Ch. verweist hier auf „das Resultat meines dreiundfünfzigjährigen ernstlichen Strebens, unsere väterliche Religion wieder zu ihrem ursprünglichen Standpunkte zurückzuführen; zu zeigen, daß sie in ihrer Reinheit mit echter und wahrer Aufklärung bestehen kann, ja sogar durch dieselbe an Stärke und Festigkeit gewinnt“ (S. 32).

Bildmaterialien

  • „Rabbi Ahron Chorins Bildniß im ungarischen National-Museum“, Neuzeit 1871, S. 605f., über Aufstellung einer Büste
  • Bildnis JNUL Jerusalem, Schwadron Collection.

Literatur

  • AZJ 1844, S. 547-551
  • Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 845f
  • Leopold Löw, „A. Ch., eine biographische Skizze“, Ben Chananja 1862, S. 417-420, 1863, S. 18-24 (unter dem Pseudonym „Dr. Weil“), nachgedruckt in Leopold Löw, Gesammelte Schriften, Bd. II, S. 251-420
  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 393, 524: „ein zweideutiger Charakter und ein langweiliger Schwätzer von angefirnißter Bildung und mittelmäßiger talmudischer Gelehrsamkeit, der imstande war, ein und dieselbe Albernheit dreimal zu wiederholen (in hebräischer Sprache, in deutscher und deutsch-jüdischer Schrift)“
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 78-80
  • Zeitlin, Bibliotheca, S. 56f
  • Kayserling, Gedenkblätter, S. 14
  • Bernfeld, Reformas. yon
  • JE IV 43f
  • Greenwald, Qoroth ha-torah weha-’ämunah, S. 41-44
  • JL I 1375
  • S. Bettelheim, „Rabbi Aron Chorin in Pressburg“, Jüdisches Familienblatt II, 1927, S. 357f
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 384
  • Ujvári, Magyar zsidó lexikon, S. 170f
  • Wininger II 550f
  • EJ dt. V 495f
  • Maimon, Œare ha-me’ah, Bd. I, S. 286f, Moses Sofer nannte ihn ’Ah. er („der andere“, antiker rabbinischer Euphemismus für den abtrünnigen Rabbi Elischa ben Abuja, zugleich Initialen Aron Chorins); er betrachtete ihn als einen goy lechål davar (Nichtjuden in jeder Hinsicht); ein anderer rb. Zeitgenosse nannte ihn „den bösen Trieb in Rabbinergestalt“
  • Moshe Pelli, „Milh. ametho ha-ra‘yonith weha-hilchathith šäl ha-Rav ’Aharon H. orin be‘ad reformah dathith“, HUCA 39 (1968), S. 63-79
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 50f (Nachweis der Invektiven Sofers gegen ihn)
  • Michael A. Meyer, Response to Modernity, S. 50f, 55, 58, 158f, 168, 177, 193, 309
  • J. Katz, Ha-halachah bemes. ar, 1992, Register
  • J. Katz, Ha-qära‘ šä-lo’ nit’ah. ah, 1995, Register
  • Wlaschek, Bohemia, S. 32
  • DBE II 313f
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 76, 117, 176
  • HÖAAJH, Bd. I, S. 200, Nr. 1512
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 625.