BHR Biographisches Portal der Rabbiner

WEISS, Eisik Hirsch, bürgerlich Ignaz W.

  • Geb. 13. Feb. 1815 in Velké Meziříčí (Groß- Meseritsch), Mähren,
  • Gest. 30. Mai 1905 in Wien
  • Sohn des wohlhabenden Handelsmanns Meier W. und der Rivka, besucht das Cheder und wird 1823 auf Anraten von Rb. Tobias Lewitt in die Talmudschule von Moses Aron Tüchler eingeschult, 1828 erhält er den späteren Rb. Wolf Mühlrad zum Hauslehrer, lernt dann kurzzeitig an der Jeschiwa des Ortsrb. Josef Feilbogen. Von dessen Pilpulistik abgestoßen, studiert er den Talmud bei Joachim Pollak in Třebíč (Trebitsch), 1830 bei Moses Perles in Eisenstadt und schließlich bei Nehemias Trebitsch in Mikulov (Nikolsburg). Nach zwei Jahren kehrt er in seine Heimatstadt zurück, wo er privat die Werke von Rapoport, Krochmal und Zunz studiert und mit rb. Größen, so Josef Saul Nathansohn in Lemberg, in Korrespondenz tritt. 1837-1840 Leiter einer eigenen Jeschiwa in Velké Meziříčí
  • 1842 Heirat mit Hinde-Ernestine Oppenheim, Tochter des Rb. Bär O. aus Ivančice (Eibenschütz)
  • W. ergreift für eine Weile den Handelsberuf, erweist sich darin aber als unbegabt. 1858 nach Wien als Talmudkorrektor für das Verlagshaus Smarsky & Ditmarsch
  • von Ad. Jellinek 1864 berufen zum Lektor am Bet ha-Midrasch, Wien (II. Bez., Praterstr. 50).

Manuskripte

  • JTS New York, ms. 4041 Briefwechsel mit I. S. Reggio, 1839 [IMHM 29.846]
  • ¯IH Warschau, ms. 437, Erinnerungen, Tagebuch, Bibliotheksverzeichnis [IMHM 30.887].

Publikationen

  • ’Orah. la-S. addiq, zu den liturgischen Vorschriften im Kompendium Tefillath Ya‘aqov, Wien 1861, 70 S
  • Hrsg. Sifra’, halachischer Midrasch zum Buch Leviticus, Wien 1862, 120 Bl
  • Bemerkungen zu Šire Musar ha-Œechäl des Hai Gaon, Warschau 1863
  • Näs. ah. Yiœra’el, Verteidigungsschrift für die Aussagen von Rb. L. Horwitz und I. N. Mannheimer zum Messiasglauben im Kompert-Prozeß, Wien 1864, 21 S
  • Mišnayyoth Massächäth Berachoth, Mischnaleseheft für Vorträge im Bet-ha-Midrasch, Wien 1864, 16 S
  • Hrsg. Mechilta’, halachischer Midrasch zum Buch Exodus, mit Kommentar Middoth Soferim Wien 1865, 135 Bl
  • Beiträge zu der Zeitschrift Beth ha-Midraš. Hi’ michtav ‘itti h. odši kolel ma’amarim be‘inyene Thorah weh. åchmah wesippur qoroth Yiœra’el bizeman hä-‘avar weha-howäh, nur vier Lieferungen aus dem Jahrgang 1865/66, 156 S
  • Mišpat. Lešon ha-Mišnah, Sprachlehre des Mischnahebräischen, Wien 1867, 18 + 128 S
  • Dor Dor weDoršaw, Geschichte des mündlichen Gesetzes in Altertum und Mittelalter, Bd. I Zweiter Tempel, Wien 1871, 256 S.; Bd. II Tannaiten, Wien 1876, 272 S.; Bd. III Amoräer, Preßburg 1883, 336 S.; Bd. IV Früh- und Hochmittelalter, Preßburg 1887, 376 S.; Bd. V Spätmittelalter, Wien 1891, 314 S.; erweiterte Gesamtausgabe Wilna 1893; photomech. Nachdruck Berlin 1924 mit einem biograph. Vorwort seines Sohnes Max Weiss in Bd. I, S. v-vii. Das Werk provozierte die Gegenschriften von Simcha Edelman, Ma’amar Doreš Rešumoth, Warschau 1893; Avraham Epstein, Divre Biqoräth, Krakau 1896; Jehuda Lipschitz, Dor Yešarim, Petersburg 1908-1910; Isaac Halevy, Doroth ha-Ri’šonim
  • Mit M. Friedmann Hrsg. der Zeitschrift Beth Talmud, 1881-1886
  • Toledoth RaŠI, Wien 1881, 74 S
  • Toledoth Rabbenu Ya‘aqov Tam, Wien 1883, 52 S
  • Toledoth ha-RaMBaM, Wien 1883, 60 S
  • Zichronothai, Memoiren, Warschau 1895, 178 S.

Epigraphik

  • Max Weiss, s. vii, zitiert aus der hebr. Grabschrift: „Fruchtbringende Arbeit auf dem Feld der hebräischen Wissenschaft war der Inhalt deines beschaulichen Lebens“.

Literatur

  • Über ihn Szántó, „Die ’Lerner’ in Wien“, Neuzeit 1864, S. 27f, 74-76, er repräsentiere in Wien den altjüdischen Typus des „Lamdan“ in moderner Form, er sei bekannt als „ein Mann, frommen, gottesfürchtigen Gemüthes, voll ernsten Forschungstriebes, voll Ehrlichkeit und Redlichkeit in seinen Studien, der wie die alten klassischen ’Lerner’ voll Entsagungsfähigkeit und Opferwilligkeit ist“ (S. 75)
  • Gastfreund, Wiener Rabbinen, S. 117
  • Lippe 1879/81, S. 524-526
  • AZJ 1895
  • S. Schechter, Studies in Judaism 1, 1896, S. 182-212
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 740, 769, 860, 877, 896
  • Zeitlin, Bd. II, S. 407-409
  • Nachruf in Ost und West 1905 (I. Elbogen)
  • JE XII 495-497, mit Bildnis; Lebensdaten hier 9. Feb. 1815 bis 1. Juni 1905
  • J. AZJ 1915 zum 100sten Geburtstag
  • Klausner, Yos. erim uBonim 1 (1923), S. 1-17
  • JL IV2 1364-1366, mit Bildnis
  • L. Ginzberg, Students, Scholars and Saints, 1928, S. 217-240
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 231, Geburtsdatum hier 19. Feb. 1815
  • Wininger VI 243f
  • Wachstein, Hebr. Publizistik
  • F. Lachower, Ri’šonim we’Ah. aronim, 1934, S. 56-60
  • EJ eng. XVI 413f, mit Bildnis
  • Henry Frænkel, „The Oppenheimer Family“, in: Frænkel, Genealogical Tables, Bd. II, Blatt A, mit Genealogie seiner Ehefrau
  • HÖAAJH, Bd. III, Nr. 11176
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 38, 96, 123, 125, 129, 147, 151, 181, 233f, 235, 241, 243, 331, 534f, 537, 606.