BHR Biographisches Portal der Rabbiner

WILLSTÄTTER, Elias

  • Geb. 2. Mai 1796 in Karlsruhe,
  • Gest. 14. Nov. 1842 das
  • Ältester Sohn des Kaufmanns Ephraim Elias W. und der Zippora-Sophie Gundersheim, die bei seiner Geburt starb. Mit 14 J. zur Jeschiwa von M. T. Sondheimer in Hanau, Privatschule in Karlsruhe und Unterricht bei Oberlandesrb. Ascher Löw, 1819 Bewerber um die Talmudistenstelle an der Elias Wormser’schen Stiftung, 25. Mai 1821 imm. Würzburg und Studien an der Jeschiwa von Oberrb. Abraham Bing
  • Rabbinerprüfung beim Oberrat der Israeliten Badens. Talmudlehrer an der Model’schen Stiftung in Karlsruhe, 16. Mai 1824 Ehe mit Babette-Bela Wormser (1776-1846), Witwe des Isaak Marx. Als Nachf. von Jakob Ettlinger erhält er 1825 die Talmudistenstelle an der Wormser’schen Stiftung mit 200 fl. Gehalt und einer kleinen Wohnung. Nach Ascher Löbs Erblindung ist er 1827 dessen Substitut, übernimmt die Jeschiwa und seit 1835 de facto auch das Stadtund Bezirksrt. Bewerber in Hanau (1832), 4. Dez. 1837 Rabbinatsverweser in Karlsruhe u. Bühl
  • nach längerem Widerstand erhält er auch von Oberrat und Stadtgemeinde je 200 fl. Gemäßigter Reformer.

Dokumente

  • UB Würzburg, M. ch. f. m. 2, Bd. II, Bl. 359v, Matrikeleintrag (bei Merkle, Würzburg, S. 944)
  • CAHJP Jerusalem, „Karlsruhe“, S 378/51, vom 24. Juli 1837, Antrag auf provis. Übertragung des Stadt- und Bezirksrabbinats. Er sei seit 10 Jahren Substitut (lt. Regierungsblatt 1827, S. 173) und versehe die Rabbinatsgeschäfte seit zwei Jahren allein. Ebd. vom 17. Okt. 1838 und 7. Mai 1839 Gesuche um Gehaltszuschuß seitens der Gemeinde. Ascher Löw habe 1.300 fl. plus Nebeneinnahmen und freier Wohnung gehabt; er selbst habe mit je 200 fl. von Stiftung und Oberrat „nicht einmal so viel, als zu einem nothdürftigen Lebensunterhalt erforderlich ist“ und müsse in der Stiftungswohnung leben, „die nur wenig Zimmer enthält, und sich in einem sehr schlechten Zustande befindet“
  • GLA Karlsruhe 390/2008, Trauungs- und Sterbeakte im Standesregister Karlsruhe.

Manuskripte

  • Das Ms. von W.s Biographie seines Vaters Ephraim (1761-1829) und ein Band autobiographischer Aufzeichnungen wurden von Rudy Apple, einem amerikanischen Urenkel Benjamin W. s, im Jahr 2003 dem Jüdischen Museum Berlin geschenkt (Sign. 2003/112/2 und 19). Von rechts beginnend, in hebr. Schrift und dt. Sprache mit hebr. Zitaten, notiert Elias W. viermal jährlich „eine resümierende ’Meditation’ über das Wesentliche der verflossenen Monate“ (M. Brocke); der letzte Eintrag gilt dem Sommer 1842. Auf der linken Seite beginnend, hat sein Bruder Benjamin 1852-1872 in deutscher Sprache und Schrift eigene Erinnerungen hinzugefügt. Schüler. Liste bei Rosenthal, Heimatgeschichte, S. 344.

Publikationen

  • Predigten, gehalten in den Synagogen zu Karlsruhe und Bühl von den Rabbinats-Kandidaten Jakob Aron Ettlinger, Elias Willstätter und Benjamin Dispecker, Karlsruhe 1824
  • Das heilige Gebot des Omer-Zählens als Bild und Lehre des Lebens dargestellt, Predigt, 1824
  • Predigt, gehalten am hohen Namensfeste Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs Ludwig von Baden, 1826; 2. Aufl. 1830
  • Predigt, gehalten bei der Säkularfeier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoh. des Hochseligen Großherzogs Carl Friedrich von Baden, 1828
  • Predigten bei verschiedenen Gelegenheiten gehalten, 1829
  • Predigt gehalten bei dem Trauer-Gottesdienste wegen des Ablebens Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs Ludwig v. Baden, 1830
  • Rede gehalten bei der feierlichen Schulentlassungs- Prüfung, 1836
  • Abriss der jüdischen Theologie, 1837
  • Das Gotteshaus eine Beförderungsanstalt des höheren Lebens und des gegenseitigen Friedens, dargestellt in zwei Predigten, 1840 (Rez. IA 1840, S. 111)
  • Eine Approbation, datiert Karlsruhe 1838; Löwenstein, Index, S. 203.

Bildmaterialien

  • Porträt auf Lithographie mit der hebr. Unterschrift Limmed bene ‘ammo, JNUL Jerusalem, Schwadron Collection; danach angefertigte Tasse im Israel Museum Jerusalem, Feuchtwanger Collection, Katalog Nr. 127-128.

Literatur

  • Im Karlsruher Adreßbuch (1826, 1833) Herrenstr. 14 als „RabbinatsKandidat“
  • Nachruf in Orient 1843, S. 161: „Verdient durch emsige Befürderung des Fortschrittes unter seinen Glaubensgenossen, durch Verbesserung des Kultus- und Hebung des Schulwesens, hatte er, obgleich gewiß nichts weniger als ein Neologe, dennoch bis in seine letzten Stunden mit den Orthodoxen und Stabilen, welche jeden seiner Schritte verdächtigten, einen schweren Kampf zu bestehen“
  • Benjamin Willstätter, Rede am Grabe des Rabb. El. Willstätter, gehalten zu Karlsruhe, Karlsruhe 1843
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 350-358
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 804, mit Geburtsdatum April 1796
  • Rosenthal, Heimatgeschichte, S. 344, 358 (ihm lag W.s „Tagebuch“ vor). Er war Modernist, doch „zu wenig Kämpfernatur, um seine Ideen durchzusetzen“
  • PK Baden-Württemberg, S. 447
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 39, 111, 309, 406f.