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Mainz 128 Inschriften (1049-1322)

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TEI P5

Projektinfo

In vorliegendem Bestand sollen alle bisherigen Veröffentlichungen zu den mittelalterlichen Mainzer Grabsteinen zusammengestellt werden.

Der jüdische Friedhof von "Magenza" - der lange Zeit führenden der drei berühmten SchUM-Städte des Rheinlands - ist einer der ältesten, wenn nicht der älteste Friedhof des mittelalterlichen Aschkenas. Am Nordrand der Stadt gelegen, erstreckt er sich über einen Hügel abwärts, nahe einer alten römischen Straße, die von Nordwesten zur Stadt führt, in der Nähe von, vielleicht sogar über den Resten einer verlassenen römischen Nekropole. Aufgrund des sandigen Untergrunds wurde der Friedhof seit dem 13. Jahrhundert "Judensand" genannt. Beisetzungen auf diesem Ort können bis etwa zum Jahr 1000 zurückverfolgt werden, wahrscheinlich aber ist der Friedhof noch älter. Während der Verfolgungen des Ersten Kreuzzuges wurde die jüdische Gemeinde Mainz fast vollständig ausgelöscht, ihr Friedhof zerstört. Als die Juden nach Mainz zurückkehrten, ersetzten sie einige der verlorenen Grabsteine ihrer berühmten Vorfahren durch (undatierte) Gedenksteine - ein beachtliches Indiz für Bedeutung und Selbstwahrnehmung dieser Gemeinde.

1438 wurden die Juden erneut aus Mainz vertrieben, der Friedhof wiederum zerstört, die Grabsteine geraubt und als Baumaterial verwendet. 1449 wurde nur ein Teil des Friedhofareals an die Juden zurückgegeben, die nach Mainz zurückgekehrt waren, und dieses Areal diente der Gemeinde bis ins Jahr 1880, als ein neuer Friedhof eingerichtet wurde.

In den letzten zwei Jahrhunderten sind in Mainz an die 250 mittelalterliche jüdische Grabsteine gefunden worden. Sie stammen aus dem Zeitraum von Mitte des 11. Jahrhunderts bis zum Jahr 1421, darunter auch ein Stein aus dem Jahr 1049, der älteste datiert erhaltene jüdische Grabstein, der jemals in Deutschland gefunden wurde.

Ein Großteil der wiederentdeckten Grabsteine war in Gebäuden aus dem 15. Jahrhundert verbaut. Einzelne Steine wurden jedoch auch immer wieder in den an den Friedhof angrenzenden Gärten und Grundstücken gefunden, in einem Gebiet also, das vermutlich bis zur Vertreibung im Jahr 1438 Teil des mittelalterlichen Friedhofs war. Zu diesen zählen auch die Grabsteine, die 1952 beim Bau und 2007 beim Abriss der angrenzenden Landwirtschaftsschule gefunden wurden.

Einige wenige Grabsteine sind im Landesmuseum Mainz ausgestellt bzw. im Depot verwahrt, weitere sind bis heute verbaut geblieben, andere sind wieder verloren gegangen. Die meisten gefundenen Steine jedoch wurden 1926 in einem an den Friedhof angrenzenden, von dem Mainzer Rabbiner Sali Levi eingeweihten "Denkmalfriedhof" neu aufgestellt, um der glorreichen Vergangenheit der Gemeinde des mittelalterlichen Mainz zu gedenken. Auch das Gebiet dieses "Denkmalfriedhofs" gehörte ursprünglich zum mittelalterlichen Friedhof, wie Ausgrabungen unter Aufsicht von Rabbiner Levi belegen konnten.

Bis heute wurde eine Reihe einzelner Inschriften veröffentlicht. 1834 wurde die Entdeckung eines ersten Grabsteins mitgeteilt. 1860/62 veröffentlichte der Mainzer Rabbiner Marcus Lehmann einige weitere mittelalterliche Grabinschriften in den Zeitschriften Jeschurun und Der Israelit, dem "Zentralorgan für das orthodoxe Judentum". Ihm folgte 1898 Sigmund Salfeld mit einer Übersicht über alle damals bekannten Grabsteine und dem Abdruck einiger Inschriften in seinem Werk Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuchs. Als Rabbiner Sali Levi 1926 den Denkmalfriedhof einweihte, veröffentlichte er weitere Inschriften sowie eine Liste aller 188 Grabsteine, die auf der Gedenkstätte aufgestellt worden waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es den Bemühungen des protestantischen Theologen Eugen Ludwig Rapp (1904-1977) zu verdanken, dass die mittelalterlichen Grabsteine nicht in Vergessenheit gerieten. Er sammelte jeden neu aufgefundenen Grabstein und sorgte dafür, dass jedes Detail fotografiert und dokumentiert wurde.

1970 wurden im Gedenkbuch für Zvi Avneri 104 Mainzer Grabinschriften veröffentlicht und im Todesjahr von E. L. Rapp (1977) erschien schließlich seine Chronik der Mainzer Juden mit seiner ausführlichen Behandlung der Grabdenkmalstätte.

Durch die Neufunde im Jahr 2007 sowie die Bestrebungen, das jüdische Erbe der SchUM-Städte in den Rang eines UNESCO-Weltkulturerbes zu erheben, sind auch die mittelalterlichen Mainzer Grabmale endlich wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Die aufgezählten und im folgenden zusammengestellten Veröffentlichungen gehen jedoch meist kaum über eine Wiedergabe von (teilweise voneinander abweichenden) Abschriften der Inschriften, teils mit Übersetzungen, hinaus. Bis heute ist eine eine gründliche Autopsie der bisher gefundenen Grabsteine ebenso wie eine Gesamtedition nach heutigen Standards ein Desiderat, ganz zu schweigen von einer ausführlichen wissenschaftlichen Bearbeitung aller Grabsteine inklusive Übersetzung und Kommentierung der Inschriften sowie ihre Einordnung in die mittelalterliche jüdische Sepulkralkultur. Durch die kürzlich erfolgte Veröffentlichung der Würzburger mittelalterlichen Grabsteine, des mit seinen fast 1500 Grabmalen und Fragmenten größten erhaltenen Corpus von Spolien, einerseits, und der zeitgleich von uns durchgeführten Bearbeitung des Wormser Friedhofs und der Speyerer mittelalterlichen Grabsteine andererseits, bieten sich hier ganz neue Perspektiven für eine Kontextuierung der Inschriften und die Profilierung ihrer spezifischen Eigenheit ebenso wie für die gesamte großräumige Familien- und Gelehrtengeschichte des mittelalterlichen Aschkenas.

Vorliegender Bestand soll nun durch seine Sammlung aller bisherigen Veröffentlichungen zu den Mainzer Grabsteinen eine wissenschaftliche Bearbeitung derselben vorbereiten.

Zitation der digitalen Edition

Digitale Edition - Jüdischer Friedhof Mainz (1049-1322 / 128 Einträge)
URL: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=mz1

 

Steinheim-Institut
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